Obwohl Sisley zu den Mitbegündern des Impressionismus zählte, war ihm nie der Erfolg eines Monet beschieden. Der Kunsthändler Ambroise Vollard schrieb in seinen Erinnerungen: "Der am wenigsten begünstigte von allen großen Impressionisten war Sisley, dessen Bilder heute so gesucht sind. Sie litten alle lange Zeit unter Entbehrungen, aber der Meister von Moret kannte niemals auch nur den bescheidensten Wohlstand". Er blieb seinen einmal gefassten malerischen Prinzipien treu, so dass sich sein Oeuvre nur wenig spektakulär entfaltete. Ein Beispiel dafür ist das Gemälde Moret — Bords du Loing, das Sisley selbst 1885 datierte. Um diese Zeit befand sich die impressionistische Bewegung in Auflösung. Kehrte Renoir dem Impressionismus den Rücken, erklärte Degas den Freilichtmalern den Kampf, suchte Cezanne eine klassische Form und stellte Seurat seine Aufsehen erregendes Bild Un dimanche a la Grande Jatte (Chicago) aus, so ist von diesen Umbrüchen bei Sisley kaum etwas zu bemerken.
Vielleicht doch eine Nuance. In seinen Bildern Anfang und Mitte der 1880er Jahre ist ein Hauch englischer Landschaftmalerei, vor allem John Constables zu spüren, den er in seiner Jugend studiert hatte. Besonders in der Betonung der Lokalfarbigkeit, der satt-grünen Töne, die durch weiße Lichter den Charakter des Feuchten erhalten, was schon Delacroix an Constable bewundert hatte. Moret — Bords du Loing ist an einem ruhigen, sonnigen Tag im Spätsommer gemalt worden. Kein Mensch ist zu sehen. Die Loing zieht gemächlich von links ins Bild ebenso wie die Wolken am blauen Himmel. Die Boote liegen ungenutzt am Ufer, im kühlenden Schatten der zum Teil schon herbstlich grün-gelben Bäume erblickt man ein kalkweiß gestrichenes Landhaus mit kräftig roten Ziegeln über einem Vordach. Im schattigen Vordergrund treten die Kontraste stärker hervor, während am Horizont die warme, ockerfarbige Tonigkeit des beschienenen Waldstreifens vorherrscht. Die Ausgewogenheit von Weiß und Schwarz sowie der Grundfarben, der Valeurs und der Lokalfarben, von Nähe und Ferne stimmt zusammen mit der Harmonie und dem Frieden der menschenleeren Natur.



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