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Bildnis M.B.
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Höhe
79.0
Breite
63.0
Material
Öl
Malgrund
Leinwand
Entstanden
1919
Inv.Nr
G 0390

Hinter der Abkürzung M. B. im Titel dieses Bildes verbirgt sich, wie unschwer zu erraten ist, der Name von Boeckls Ehefrau Maria, die dem Künstler sehr oft Modell gestanden hat. Schon 1918, ein Jahr vor der Heirat, hatte er ein grossformatiges Doppelporträt gemalt, das ihn mit seiner Verlobten Maria Plahna darstellt. Dieses Bild legt noch deutlich Zeugnis ab von den Vorbildern des jungen Künstlers; es erinnert nicht nur an die Malerei von Peter Paul Rubens, insbesondere an dessen berühmtes Verlöbnisbild von 1609 in der Alten Pinakothek München, sondern auch an die Figurenbilder des acht Jahre älteren Oskar Kokoschka. Boeckl war von Kokoschka derart stark beeindruckt, dass er dessen kühnen Malstil anfänglich regelrecht imitierte. Davon ist auf dem vorliegenden, nur ein Jahr später entstandenen Bildnis kaum mehr etwas zu spüren. Von 1919 an beschritt Boeckl ganz neue Wege des Gestaltens, die er rückblickend wie folgt analysierte: «Der Künstler macht einen Fleck auf die Leinwand und gibt dann diesem Fleck unbewusst eine wesentliche Gestalt. Er weiss nicht, was dieser Fleck bedeutet. Er macht einen zweiten, dritten und vierten Fleck. Was es sein wird, weiss er noch lange nicht, aber was die Gestalt verlangt, erfasst er schon früh.» Auch das vorliegende Bild ist aus grossen Farbflecken in Weiss, Gelb und Rosa zusammengesetzt, die der Künstler nachträglich mittels schwarzer Konturen zu Körperteilen erklärte. Wegen dieser für die damalige Zeit ungewöhnlich kühnen Maltechnik hat man in Boeckl auch schon einen Vorläufer des Informel der fünfziger Jahre gesehen. Tatsächlich liegt dieser Maltechnik eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der frühen abstrakten Kunst zugrunde, insbesondere mit Kandinskys Improvisationen.