Reisen bildet. Dieser Satz gilt ganz besonders für Paul Klee und seine Fahrten in den Süden. Reisen bedeutete für Klee, der im Alltag ein sehr regelmäßiges und geordnetes Leben führte, in erster Linie Abenteuer. Eine erste Italienreise unternahm Klee während seiner Münchner Studentenzeit 1901, die ihm vor allem die Kunst der Renaissance vor Augen führte. Weit entscheidender wurde die Fahrt nach Nordafrika im Frühjahr 1914, die berühmte "Tunisreise", die Klee zusammen mit den Malern Macke und Moilliet machte. Während dieser Reise wurde Klee zum Maler, wie er am 16. April 1914 in sein Tagebuch notiert hatte. 1926 musste das Bauhaus aus politischen Gründen von Weimar nach Dessau umziehen, wo sich Klee nicht eingewöhnen konnte. In dieser Zeit, die seine Ablösung vom Bauhaus einleitete, Abwechslung und neue Anregungen suchend, machte Klee nach langer Zeit wieder Reisen in die mediterrane Welt.
Ende Juli 1927 traf sich Klee mit seinem Sohn Felix an der Côte d’Azur. Im Brief vom 10. August kündigte Paul Klee seiner Frau in offenkundigem Reisefieber seine Schiffsreise von der Ile de Porquerolles nach Korsika an: "Am Freitag Abend fahre ich nach Toulon, dort kommt abends ein Schiff von Marseille an und nimmt mich mit in die blauen Fluten, bald wird es Nacht, aber der Vollmond leuchtet, und ich atme das Letzte an Spannung aus. Dort beginnt dann das Neue, wahrscheinlich gar nicht neu, aber ein wenig anders coloriert. Und das Colorit macht’s, das suche ich ja immer wieder: Klänge wecken lassen, die in mir schlummern, ein kleines oder großes Abenteuer in Farbe." In der Gouache Abenteurer zur See von 1927 scheint Klee dieses Reisegefühl verdichtet zu haben. Etwa in der Bildmitte in nächtlich webendem Blau steht in Uniform ein auf die Abfahrt wartender Admiral, dessen Physiognomie an Klees lithographisches Selbstbildnis Versunkenheit, 1919 entstanden, denken lässt. Um den Seemann befinden sich zahlreiche kleinere oder größere Segelschiffe mit diversen, bunten Flaggen und Signalfahnen. Dominierend der rote Vollmond – wie eine untergehende Sonne -, der in seinem Zinnober wunderbar mit dem magischen Blau zusammenstimmt.


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